Reise

Plastik im Paradies

„Go slow“ lautet die Maxime, die auf der Insel Caye Caulker (Belize) postuliert wird. Selbst gemalte Schilder sowie kokosnussverkaufende Rastafaris lassen keinen Zweifel daran. Fährt der gemeine Tourist – so wie ich kürzlich einer war – zum Schnorcheln raus auf das türkisblaue Meer, bekommt er schonmal Schildkröten, Rochen und Haie zu Gesicht. In jedem Fall beeindruckend. Kapitän und Bootscrew werden dabei nicht müde im inseleigenen Englisch den Respekt zu betonen, den es gilt, der Natur entgegen zu bringen. Amen Bruder!

Doch stimmte da etwas nicht. Zweierlei störte meinen Einklang mit Insel, Meer und Natur.

Das eine war Plastik. Plastikmüll um genauer zu sein. Die Teile des Strandgebiets von Caye Caulker stehen unter Naturschutz. Das ist gut so. Die Algen an den Strandstücken erlauben den Touristen zwar das Baden nicht,  bieten jedoch einen Lebensraum für allerlei Getier und verbessern die Wasserqualität. Doch muss man nicht besonders genau hinsehen um die zahllosen Plastikteile am Strand zu erkennen. Die Mülleimer der Insel sind restlos überfüllt. Und nach wenigen Tagen auf der Insel ist klar warum:

deplastify-your-life

Jeder noch so kleine Einkauf wird in zahllosen Plastiktüten verpackt, in jeden Drink werden Plastikstrohhalme gesteckt (sofern man nicht rechtzeitig dagegen interveniert) und auch das Geschirr besteht absurderweise aus Wegwerfpackungen. Jawohl! Ich saß in einem Café,  das keine „richtigen“ Tassen hatte, zuvor war ich in einer Saftbar, die die frischgepressten Säfte nur in Plastikbechern bereitstelle! Ist das denn die Möglichkeit? Warum? Ist es günstiger? Doch nicht wirklich! Ist es appetitlicher? Klares nein! Ist es bequemer? Für wen? Zerstört es unseren Lebensraum? Aber ja! Deplastify your life.

So lautet eine der Maximen, die ich mir zum Auftrag gemacht habe – Vorsatz 2014! So gut es geht. Wie schwierig und gleichzeitig notwendig dieses Vorhaben ist, zeigten mir einmal mehr die Tage auf Caye Caulker.

Doch noch etwas irritierte mich: Vor einiger Zeit schenkte mir ein Freund das Buch „Am Beispiel des Hummers“ von David Foster Wallace.

Am_Beispiel_des_Hummers

Ich kann es wärmsten empfehlen. Genau jenes Beispiel offenbart eine weitere Problematik der Insel.  Nachdem die meist weltoffenen Touristen tagsüber auf das karibische Meer hinausgefahren sind und die beeindruckende Unterwasserwelt bestaunten, sitzen sie am Abend in den Restaurants und verspeisen die Hummer wie Barbaren. Nun mag man sagen: besser hier (frisch aus dem Meer) als in einem Nobelrestaurant in Europa. Doch ist das der springende Punkt? Nein. Vielmehr frage ich mich, wie einerseits Einklang gepredigt wird und daraus andererseits Einnahme werden kann. Fisch und andere „Meeresfrüchte“ mögen lecker sein, meinetwegen. Doch will ich die Tiere verspeisen, deren Verwandte kurz zuvor verspielt mit mir im Meer tauchten? Wieder ein klares nein! In Momenten wie diesen kommt mir die Annahme von Claude Lévi-Strauss (aus dem Essay „La Mucca e’pazza e un po’cannibale“) in den Sinn:

„Eines Tages wird die Idee, dass die Menschen in der Vergangenheit,  um sich zu ernähren,  Lebewesen aufzogen und massakrierten […], denselben Ekel hervorrufen wie bei den Reisenden des 16. oder 17. Jahrhunderts die kannibalischen Mahlzeiten der […] Wilden.“

„Go slow“ kann eine wichtige Maxime sein. Doch auf dem Gebiet der Ökologie ist es höchste Eisenbahn. Egal ob Traveler oder Einheimisch, es ist an der Zeit sich zu verweigern. Jede(r). Gegen die Müllberge. Für Stoffbeutel und gegen Plastiktüten. Für Tasse und gegen Plastikbecher. Für Gemüse und gegen totes Tier. Gelingt uns das nicht, werden einstige Paradiese ersticken.

Nicht ohne einen gewissen Zynismus lehne ich mich nun zurück und wickle meinen Burrito aus der Plastikfolie. Ich war nicht schnell genug die Folie abzulehnen. Go slow.

Bildrechte: christiane schuetz

Auf den Hügeln von L.A. – Mein Besuch in der Villa Aurora

Off

Bisher hatte meine Reise nach Los Angeles vor allem dazu geführt, dass die Mehrzahl der Vorurteile gegenüber den US of A, die sich in mir als Mitteleuropäer über Jahre verinnerlicht hatten, bestätigt wurden. Die Autos waren breiter, die Straßen breiter, die Burger breiter und auch die Menschen in dieser oder jener Hinsicht breiter. Man unterhielt sich mit mir gerne „in a friendly way“ über Oberflächlichkeiten, kehrte mir jedoch ebenso unvermittelt den Rücken zu. Doch immerhin hatte ich als einer der gefühlt 100 Menschen, die sich in L.A. mit dem Bus bewegen, regelmäßig die Gelegenheit, mich in einem Smalltalk wiederzufinden. So ereignete es sich auch an jenem Morgen eines Tages Ende August.

(mehr …)